Kinder trauern anders

Pressemitteilung, Mittwoch 16. November 2011

Kinder trauern anders

Erwachsene können in Trauerphasen wichtige Begleiter sein. Tipps vom Psychologen

Dillenburg/Herborn (hjb). Die dunkle Jahreszeit beginnt, die Tage werden kürzer. Gedenktage wie der Volkstrauertag oder der Totensonntag stehen an. Sie machen deutlich, das Leben ist endlich. Wie gehen Kinder mit dem Tod um? Wie trauern sie um Opa oder Oma? Wie können Erwachsene ihnen helfen, mit der Trauer umzugehen? Diplom-Psychologe Dirk Crone, Pfarrer Jörg Moxter und Präses Karl-Heinz Ruhs von der Evangelischen Beratungsstelle Herborn haben im neuesten Info-Brief ein paar Tipps aus der Praxis zusammengestellt.

Jeder Mensch erlebt im Laufe seines Lebens Verluste, und wenn es Kindern widerfährt, stehen Erwachsene ihnen oft hilflos gegenüber, sagt Dirk Crone. „Und oft ist es diese Hilflosigkeit, die Kinder spüren und ihre eigenen Trauermechanismen stören“. Der Psychologe und Leiter der Evangelischen Beratungsstelle Herborn für Kinder, Jugendliche und Paare rät die Trauerphasen gemeinsam zu durchleben und miteinander darüber zu sprechen.

Der Umgang mit der Trauer verläuft in verschiedenen Phasen: Am Anfang steht ein Nicht-Wahrhaben-Wollen, oft einhergehend mit Isolierung. Daran schließt sich die Phase des Zorns an, gekennzeichnet durch Wut und die Warum-Frage.  Ehe sich die Phase der Zustimmung einstellen kann, sind weitere Phasen zu durchleben. Trauer braucht also Zeit. Bei Kindern ist es wichtig, dass erwachsene Bezugspersonen ihr Durchlaufen förderlich unterstützen. „Es ist gut, auch unerwartete Emotionen zuzulassen. Vertröstungen sind für den Trauerprozess nicht hilfreich“, sagt Crone. Er nennt vier Hürden, die Erwachsene manchmal überwinden müssten.

Hürde 1: „Der Opa schläft nur“

Manche Eltern trauen sich nicht, vom Tod zu sprechen. Ausflüchte können für Kinder aber schwierig werden, weil der, der schläft, normalerweise wieder aufwacht. Kinder fragen sich schnell, was sie falsch machen, da dies nicht geschieht. Verunsicherungen stellen sich ein und verhindern das Loslassen. Manche Kinder trauen sich selbst nicht mehr zu schlafen, weil sie befürchten, dass auch sie möglicherweise nicht mehr aufwachen.

Hürde 2: „Ich schütze mein Kind!“

Viele Eltern wollen aus eigener Unsicherheit heraus ihr Kind schützen und es nicht zum Abschiednehmen mitnehmen. „Eine Begegnung mit dem Toten und die Beerdigung als Ritus können aber helfen, das Sterben zu akzeptieren“, sagt Pfarrer Jörg Moxter, der in der evangelischen Beratungsstelle für die Paarberatung zuständig ist. Erfahrungen zeigen, dass es gut ist, wenn Kinder die Möglichkeit haben, Abschied vom Verstorbenen zu nehmen. „Wenn ein Kind es nicht möchte, dann sollte man es aber akzeptieren“, sagt Crone. Kinder hätten einen sechsten Sinn dafür, was sie sich zutrauen und was nicht. „Manche Kinder möchten dem geliebten Menschen gerne noch eine Nachricht zukommen lassen oder ein Bild malen und sind begierig zu hören, ob es den Sterbenden noch erreicht hat“, sagt er und rät Erwachsenen dazu, solche Möglichkeiten für Kinder zu schaffen, wo sie sich mit ihren Ideen einbringen können. „Dann sind die begleitenden Erwachsenen in einer Boten-Funktion, die auch wichtig ist“, sagt Crone.

Hürde 3: „Ich muss Stärke zeigen!“
Viele Eltern glauben, sie müssten stark sein für ihre Kinder und vor ihnen Tränen verstecken. „Aber was heißt das für das Kind?“, fragt Jörg Moxter und übersetzt das Verhalten so: „Meine Eltern zeigen nichts. Dann tue ich wohl besser auch so, als wäre nichts“. Hilfreich ist es, über den Verstorbenen zu reden, damit ein Hineinfressen beim Kind verhindert wird. „Weinen, sich gemeinsam erinnern und auch mal über zurückliegende Erlebnisse mit dem Verstorbenen lachen, kann sehr heilsam für den Trauerprozess sein“, fügt Dirk Crone an.

Hürde 4: „Mein Kind ist komisch!“
Viele Kinder durchlaufen die beschriebenen Trauerphasen nicht gradlinig. Manchmal verdrängen sie die Trauer, lachen und blödeln in einem fort, skizziert der Psychologe. „Das kann gerade während der Trauerphase in der Familie zu Missverständnissen führen: Der ist ja gar nicht traurig, macht es ihm denn gar nichts aus? Hat der denn kein Herz?“ sagt Crone. Oder es gäbe auch Kinder, die aggressiv werden und andere Kinder hauen, in Schule und Kindergarten launisch und wütend sind, sich plötzlich daneben benehmen und richtige Ausraster kriegen. „Oft sind diese Aggressionen Ausdruck der Wut auf den Verstorbenen, der sie hier einfach im Stich gelassen hat. Der eigentliche Adressat ist nicht erreichbar“, erklärt der Psychologe, diese Phasen seien aber Zeichen der Trauer und der Suche nach dem richtigen Umgang damit.

„Sollten Sie merken, dass aufgrund Ihrer eigenen Trauer, Ihres eigenen Verlustes Schwierigkeiten erwachsen, die nicht innerhalb der Familie und des Freundeskreises aufgefangen werden können, sollte es Sie nicht beschämen, sich fachliche Hilfe zu suchen“, sagt Dirk Crone.

Kinder drücken ihre Trauer auch in Bildern und Zeichnungen aus. Das ist ein wichtiges Ventil, um mit dem Verlust umgehen zu lernen. Das Bild stammt aus dem Wandkalender, den die Stiftung Familie Leben zugunsten der Beratungsstelle für 2012 herausgegeben hat. Gegen eine Spende von 5 Euro ist der Kunstdruck bei der Beratungsstelle Herborn erhältlich.

 

 

 

Im neuen Infobrief haben Pfarrer Jörg Moxter, Präses Karl-Heinz Ruhs und Dirk Crone, der psychologische Leiter der Beratungsstelle Herborn, Tipps zur Trauerbewältigung aufgelistet. Der Info-Brief ist demnächst bei der Beratungsstelle Herborn kostenlos erhältlich.

 

 

 

 

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