An Bewährtem festhalten

Pressemitteilung, Donnerstag 18. Juli 2013

An Bewährtem festhalten

Seit über 100 Tagen ist Jörg Moxter Leiter der Evangelischen Beratungsstelle

Herborn (hjb). Vor über einhundert Tagen ist Jörg Moxter als neuer Leiter der Evangelischen Beratungsstelle Herborn in sein Amt eingeführt worden. Wie fühlt es sich an? „Eigentlich wie vorher auch!“, sagt Jörg Moxter und lacht. Der neue Leiter ist in der Beratungsstelle kein Neuling. Seit zwölf Jahren ist der Theologe und psychologische Berater dort tätig. Ein Novum für den Pfarrer, denn im Raum der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) gibt es kaum eine weitere Beratungsstelle, die psychologische und sozialpädagogische Hilfen und aufsuchende Präventionsprojekte anbietet und in der ein Pfarrer hauptamtlich mitarbeitet. Pfarrer Jörg Moxter wurde 1988 ordiniert und war sieben Jahre als Gemeindepfarrer tätig ehe er in die therapeutische Beratung wechselte. Im neuen Amt stand für ihn die eine oder andere neue Aufgabe an. Denn mit dem langjährigen Leiter und Psychologen Dirk Crone, der nach 40 Jahren in den Ruhestand trat, gab es einen Umbruch im Team. Plötzlich gab es weitere Stellen zu besetzen, da auch Sozialpädagogin Margit Weißmüller nach 30 Jahren in den Vorruhestand und Psychologin Bettina Schilling nach Frankfurt wechselte. Gemeinsam mit dem Dekanatssynodalvorstand (DSV) und dem Präses Karl-Heinz Ruhs sowie Dekan Andreas Friderich konnten neue Mitarbeiterinnen gefunden werden. So werden demnächst eine Psychologin und eine weitere Diplom-Sozialarbeiterin das Team der Evangelischen Beratungsstelle verstärken. „Wir wollen an unserer hohen Fachlichkeit festhalten und freuen uns, die Stellen wieder besetzen zu können“, sagt Jörg Moxter.

Für viele Familien im alten Dill-Kreis ist die Evangelische Beratungsstelle ein wichtiger Anlaufpunkt für Erziehungs- und Lebensfragen. Die ursprünglich ökumenische Einrichtung ist 1974 in die Trägerschaft des Evangelischen Dekanats Herborn übergegangen. Inzwischen gehört die interdisziplinär arbeitende Beratungsstelle zum besonderen Profil des Dekanats. Seit wenigen Jahren ist die Beratungsstelle mit im „Haus der Kirche und Diakonie“ am Hintersand 15 in Herborn untergebracht. „Unsere Klienten kommen aus einem weiten Umkreis zu uns“, sagt Moxter, der an den Schwerpunkten der Beratungsstelle festhalten will. „Wir sind eine Fachstelle für Kinder, Jugendliche und Familien“, sagt der 53-Jährige. Nur wie definiert sich Familie? Manche Probleme müssen differenziert betrachtet werden, so gebe es neben der klassischen Beratung weitere individuelle Hilfen. „Manchmal ist es hilfreich, wenn Kinder und Eltern getrennt voneinander begleitet werden. Denn die Probleme des Paares belasten auch die Entwicklung der Kinder“, sagt Moxter. Er freut sich, dass er den Lahn-Dill-Kreis und die Evangelische Kirche für die Finanzierung der Beratungsstelle gewinnen konnte. „Viele Leistungen werden im Rahmen der Kinder- und Jugendhilfe mitfinanziert, es gibt aber auch im kleinen Umfang Beratungen, die wir als Kirche den Menschen anbieten wollen“, erklärt Jörg Moxter. Manches zusätzliches Projekt wird zudem über Spenden von der Stiftung Familie Leben mitfinanziert. Dass es in Zeiten knapper Kassen überhaupt noch eine kirchliche Beratungsstelle gibt, ist für Jörg Moxter keine Selbstverständlichkeit. Der Dekanatssynodalvorstand habe sich - nach dem die Evangelische Landeskirche die finanziellen Mittel deutlich gekürzt hatte - für den Erhalt der Beratungsstelle in Herborn stark gemacht. So konnte mit einer internen Umlage und nach Verhandlungen mit dem Lahn-Dill-Kreis der Fortbestand auch nach dem Ausscheiden des langjährigen Leiters Dirk Crone gesichert werden.

Jörg Moxter: „Besonders erfreut war ich über die ausgesprochene Anerkennung seitens des Lahn-Dill-Kreises bei meiner Einführung. So hat Roland Wegricht, der ehemalige Kreisbeigeordnete für den Fachbereich Bildung, Jugend und Familie, öffentlich die Evangelische Beratungsstelle gelobt. Wegricht sagte, die Beratungsstelle leiste hier eine unverzichtbare Arbeit. Und wörtlich: „Die Zeiten, in denen über den Bestand der Beratungsstellen in Dillenburg und Herborn diskutiert wurde, sind erst einmal vorbei“. Viele Gespräche waren aber notwendig, um die Neukonzeption der Beratungsstelle umsetzen zu können, sagt Moxter.  

Bei allen Veränderungen möchte auch der neue Leiter Jörg Moxter an Bewährtem festhalten: Es soll weiterhin präventive Angebote mit Partner-Organisationen und informative Angebote im Rahmen der evangelischen Erwachsenenbildung geben. „Wir haben gute Erfahrungen gemacht mit Kooperationen zu Kindertageseinrichtungen, Schulen oder Kirchengemeinden“, sagt Moxter und ergänzt: „über Angebote im Bereich der Bildungsarbeit im Dekanat Herborn haben wir es geschafft, die Beratungsstelle des Dekanats Herborn noch einmal bekannter zu machen“.

Seit über vier Jahrzehnten ist die Evangelische Beratungsstelle Herborn Anlaufstelle für Menschen in verzwickten Lebenslagen. Unabhängig von ihrer Konfession werden sie hier begleitet. „Menschen brauchen manchmal einen Ansprechpartner, den sie nicht aus ihrem Umfeld kennen und mit dem sie nicht am Ort zusammenleben“, sagte Pfarrer Moxter auf die Frage, warum es wichtig ist, dass das Evangelische Dekanat Herborn eine Beratungsstelle habe. Es gebe Situationen im Leben, da ist es gut, fachliche Hilfe anzunehmen, sagte Moxter. Viele schätzten das psychologische Angebot einer kirchlichen Stelle. Kinder, Jugendliche, Eltern und Paare erhalten hier auf Wunsch kostenlose Beratung und Begleitung.

Viel hat sich in den zurückliegenden Jahren in der Beratungsarbeit verändert. Die Kriterien Grenzen setzen, Selbstbewusstsein und Kommunikation gelten aber gleichwohl in der Erziehungs- und in der Paarberatung. Die Nachfrage insgesamt habe stark zugenommen: So gebe es leider Wartezeiten - von der Anmeldung bis zum ersten Gespräch kann es mehrere Wochen dauern. Manchmal reiche ein Erstgespräch zur Klärung, in vielen Beratungen folgten weitere Gespräche. Im Schnitt seien es sieben bis acht Sitzungen.

Zur Person:

Jörg Moxter (Jahrgang 1959) ist seit Anfang Mai 2002 als Pfarrer und psychologischer Berater in der Evangelischen Beratungsstelle Herborn tätig. 2004 übernahm er bis 2009 zusätzlich zur halben Stelle in der Beratungsstelle die halbe Stelle der neu errichteten Profilstelle Bildung. Im Rahmen dieser Tätigkeit hielt Jörg Moxter viele Vorträge auch zu Erziehungsthemen in den Kirchengemeinden im Dekanat Herborn. Die Verzahnung mit der evangelischen Erwachsenenbildung hat die Evangelische Beratungsstelle Herborn in vielen Gemeindekreisen bekannt gemacht. Pfarrer Jörg Moxter wurde 1988 ordiniert und war als Seelsorger sieben Jahre in der Gemeindearbeit und neun Jahre als Klinikseelsorger in der Psychiatrie in Bad Homburg, Frankfurt und Gießen tätig. Dort hat er viele therapeutische Gruppenangebote geleitet.

Drei Fragen an Jörg Moxter:

?: Mit welchen Fragen oder Nöten kommen Menschen in die Beratung?

Moxter: „Alle Themen hier auf zu zählen, würde den Rahmen sprengen. Es sind Probleme mit der Erziehung, mit der Familie, mit sich selbst oder mit der Partnerschaft. Es geht immer um Beziehung, zu sich oder dem Nächsten und um Grenzen: Wie nehme ich und wie nehmen andere meine eigenen Grenzen wahr (Selbstbewusstsein, Selbstwert)? Und es geht um Kommunikation: Die respektvolle Auseinandersetzung auf Augenhöhe unterscheidet uns vom Tier. Wie wir miteinander umgehen, soll eingeübt werden, denn die Tonart ist sehr wichtig. Kommunikation wie in einem Gerichtssaal mit Anklage, Vorwurf, Rechtfertigung erschwert das Miteinander“.

?: Was macht Ihnen am Beraten Freude?

Moxter: „Es ist das Echte Leben, das mir in den Gesprächen begegnet, und die Lust daran, die mich jeden Morgen neu wieder gerne zur Arbeit fahren lässt. Nach zehn Jahren als Pfarrer in der Psychiatrie und jetzt in den zwölf Jahren in der therapeutischen Beratung, wird mir immer deutlicher, dass das wirkliche Leben – also das, was unser Tun und Verhalten bestimmt – eine Etage tiefer stattfindet. In Seelsorge und Therapie sind wir in Kontakt damit. Das Zuhören ist das eine, was dem Kontakt und dem Kennenlernen dient. In einem zweiten Schritt geht es darum, dem Klienten die Arbeit zuzumuten, für sich einen Umgang mit schmerzlichen Erfahrungen zu finden, die erlittenen Verletzungen und Grenzüberschreitungen nicht nur zu betrauern - sondern dann auch neue Perspektiven, neue Spielräume in sich zu entdecken, wie man ab morgen sein Leben auch anders wahrnehmen und gestalten möchte. Letztlich geht es darum, diese Menschen in ihre Selbstverantwortung zu begleiten, und eben nicht in die Falle zu tappen, sie erneut zu bevormunden, indem man ihnen Rat-Schläge gibt“.

?: Welche Rolle spielt dabei der christliche Glaube?    

Moxter: „Für mich ist es die Gewissheit, dass ich nicht alleine unterwegs bin. Dass ich die Menschen nicht heile, sondern im besten Fall Fenster und Türen öffne, so dass ein neuer Geist in ihren Lebensraum wehen kann – und dass sie es wagen, mutig neue Räume zu betreten. Nachfolge heisst für mich, so wie Jesus im Vertrauen auf Gott, in Kontakt mit dem ganzen Menschen zu gehen, mit seinen hellen und seinen dunklen Seiten, mit seinen Schmerzen und Hoffnungen. Für meine eigene Psychohygiene gilt: erst einmal Sport und Musik, und neben der Familie auch viele Freunde zu haben. Sie sind über viele Jahre Wegbegleiter in den Höhen und Tiefen eines Lebensweges, den wir alle ja auch zu gehen haben.“          

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